Einführung - Kultur und Medien

Die europäische Kultur ist ein nahezu undefinierbarer Gegenstand. Gerade weil die Vielfalt ihr zentrales Charakteristikum ist, fällt es umso schwerer ihre Konturen zu zeichnen. Das Motto der EU „in Vielfalt geeint“, das ursprünglich in den Vertrag über eine Verfassung für Europa (VVE) übernommen werden sollte, verdeutlicht dies besonders. Unbestritten ist vielleicht die Bedeutung der griechischen Antike, des jüdisch-christlichen Erbes, aber auch die des Humanismus und der Aufklärung für die Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde.
Der kulturelle Austausch manifestiert sich greifbar in Religion, Kunst, Musik, Architektur und vielen weiteren transnationalen Erscheinungen. Die enge Verbindung mit den lokalen, regionalen, nationalen und supranationalen Identitäten macht die Kulturpolitik jedoch zu einem genuin subsidiären Politikfeld, das nur bedachte Eingriffe erlaubt. Kultur entsteht vor Ort und darf nicht zentral gesteuert werden, wenn ihre Authentizität erhalten bleiben soll.

Medien sind heute die wichtigsten Transmitter von Kultur in Form von Text, Bild oder Tonträger. Um Kenntnisse über andere Kulturen zu erlangen, sind Medien nur durch persönliche Erfahrung oder Erzählung ersetzbar und bedingen somit die Möglichkeiten von Kulturtransfer und -dialog maßgeblich.

Bereits 1954 verabschiedete der Europarat die Europäische Kulturkonvention und wurde somit weit vor der Europäischen Union (EU) im kulturellen Bereich tätig. Die EU machte erst in den 1970er Jahren erste zögerliche Schritte und verabschiedete 1973 eine Erklärung des Europäischen Rates zu den Grundwerten europäischer Identität.

Europarat und EU für unser kulturelles Erbe

Der Europarat hat mit seinen Abkommen und Konventionen eine erste Grundlage für intergouvernementale Kulturzusammenarbeit und -dialog in Europa geschaffen. Die Europäische Kulturkonvention bietet einen breit angelegten Rahmen, der die Bereiche Ausbildung, Hochschulbildung und Forschung, Kultur, historische Bausubstanz, Sport und Jugend abdeckt. Inzwischen haben 50 Staaten die Konvention ratifiziert. Somit bilden die Bemühungen des Europarats einen Ansatz über die Grenzen der EU hinaus für ganz Europa, der sich in verschiedenen Förderungen, Veranstaltungen und Konventionen ausdrückt.

Mit dem Inkrafttreten des Lissabonner Vertrages ist Artikel 167 AEUV der zentrale Artikel für die kulturelle Ausrichtung der Europäischen Union. Demnach sollen alle Aktivitäten der EU „den kulturellen Aspekten Rechnung" tragen und sich um die „Wahrung und Förderung der Vielfalt“ bemühen. Eine Vielzahl von EU-Maßnahmen, besonders in den Bereichen der Bildung, der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und der ländlichen Entwicklung, haben ausdrücklich eine kulturelle Dimension. Durch diese Maßnahmen will die Union einen Beitrag zur Entfaltung und zum Schutz der kulturellen Vielfalt Europas leisten.

1994 starteten die ersten Förderprogramme der EU. Das jetzige Programm „Kreatives Europa“ läuft von 2014-2020 und unterstützt Grenzüberschreitende Kooperationsprojekte, Netzwerke, Übersetzung und Verbreitung literarischer Werke, Plattformen kultureller Akteure, Kompetenzaufbau und berufliche Schulung, Entwicklung, Verbreitung und Verkauf, Filmfestivals und Fonds für die internationale Koproduktion.

Die Medienpolitik der EU wird maßgeblich durch zwei Instrumente geprägt. Dies ist zum einen die 2007 verabschiedete Richtlinie „Audiovisuelle Mediendienste“ (AVMD), die die Etablierung eines „echten europäischen Binnenmarkt für audiovisuelle Medien“ fördern soll. Hierzu zählt unter anderem auch die Förderung der freien Herstellung und Verbreitung von Fernsehprogrammen. Zudem gibt es Förderprogramme wie das 1991 ins Leben gerufene MEDIA-Programm. Durch die Ergänzung nationaler Programme sollen hierdurch die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Film- und Fernsehindustrie erhöht und die audiovisuellen Medien als Kulturträger gestärkt werden. Die MEDIA Fördermittel sind Teil von "Kreatives Europa". 

NRW: Träger und Wegbereiter der europäischen Kultur- und Mediengesellschaft

Nordrhein-Westfalen bildet eine der ältesten Schnittflächen Deutschlands mit der westlich-europäischen Kultur. Seit der Antike hat das Rheinland als Bindeglied mit der westlichen Welt fungiert und die geistige Verankerung Deutschlands im Vereinten Europa maßgeblich ermöglicht.

Wichtige kulturelle Güter mit Bedeutung weit über die Grenzen unseres Landes hinweg befinden sich in NRW. Der Kölner Dom ist die beliebteste Sehenswürdigkeit Deutschlands. Karl der Große residierte einst im Dom zu Aachen. Beiden wurde wie dem Schloss Augustusburg in Brühl und der Zeche Zollverein der Status als Weltkulturerbe verliehen. 

Heute ist NRW die dichteste Kulturregion in Europa. 900 Museen locken jährlich knapp 15 Millionen Besucher an. Es gibt unzählbare Bühnen, eine Vielzahl von Orchestern, zahlreiche Pop- und Rock-Konzerte und eine Musical-Meile von Köln über Düsseldorf, Duisburg, Essen bis nach Bochum. Nordrhein-Westfalen bringt Künstler hervor und beheimatet Kreative aus der ganzen Welt.

Informierende, koordinierende und fördernde Einrichtungen in NRW leisten einen Beitrag um diese Landschaft zu unterstützen. Die Landesregierung beteiligt sich etwa mit der Filmstiftung, dem Kultursekretariat und der Kunststiftung. Die EU-Förderung für deutsche Kultureinrichtung und Künstler wird in NRW, insbesondere vom Cultural Contact Point Germany (CCP), koordiniert. International tätige Vereine, Stiftungen und Nichtregierungs-Organisationen operieren von Nordrhein-Westfalen aus.

Nordrhein-Westfalen ist bundesweit der führende Standort der Medien- und Kommunikationswirtschaft und einer der führenden Standorte in Europa. Die Berichterstattung über Europa hat derweil ein Netz europäisch versierter Journalisten in öffentlich-rechtlichen wie privaten Medieneinrichtungen entstehen lassen. Sowohl in den Redaktionen als auch über Korrespondenten in Brüssel wird Europa journalistisch verarbeitet und den Menschen näher gebracht. Hier sind insbesondere die Rundfunkanbieter Westdeutscher Rundfunk, Deutschlandfunk und Deutsche Welle zu nennen.