Einführung - Wirtschaft

Bereits in der Anfangszeit der Europäischen Zusammenarbeit erfüllte Nordrhein-Westfalen eine wichtige Funktion für die europäische wirtschaftliche Integration. Das Ruhrgebiet, als größte Schwerindustrieregion jener Zeit, war ein Kernbestandteil der 1951 von sechs Staaten gegründeten Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS).

Die vier Freizügigkeiten von Arbeit, Kapital, Güter und Dienstleistungen wurden dann von den Römischen Verträgen 1957 als Grundlage für die weitere europäische Wirtschaftsentwicklung definiert und sind noch heute elementarer Bestandteil der Europäischen Union. 1985 kündigte die Europäische Kommission die Vollendung des Binnenmarktes an. Heute ist der Gemeinsame Binnenmarkt konstituierender Kern des geeinten Europas und Wirtschaft immer noch das wichtigste Politikfeld der Gemeinschaft.

Damit einher ging die rechtliche Harmonisierung der Wettbewerbsbedingungen, unabhängig von nationalen Grenzen und Gesetzen. Die Gründung des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) 1992 erweiterte den Binnenmarkt sogar über die Grenzen der Europäischen Union aus und schließt die Staaten der European Free Trade Association (EFTA), außer der Schweiz, ein. Dies trug maßgeblich zur Stärkung der sozialen wie auch wirtschaftlichen Gemeinschaft bei.

In der EU wurden darauf aufbauend vor allem zwei Instrumente etabliert. Zum einen ist diesbezüglich der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zu nennen, der eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und eine Verringerung von Arbeitslosigkeit fördern will. Zum anderen ist aber auch der Europäische Sozialfonds (ESF) anzuführen, der eine Verbesserung der beruflichen Qualifikation anstrebt, um so den Zugang zum Arbeitsmarkt zu vereinfachen.

Einen weiteren besonderen Schub für die ökonomische Integration stellt die Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) dar. Ziel ist eine starke gemeinsame Währung, die das Vertrauen der Bürger, der Wirtschaft sowie der Finanzmärkte besitzt und Grundlage für den freien und uniformen Kapitalverkehr ist.  Gegenwärtig strebt die Europäische Union mit dem Wirtschaftsprogramm ‚Europa 2020‘ ein „intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum“ an und forciert eine bessere Koordination der nationalen Wirtschaftspolitiken. Zeitgleich wurde mit dem Enterprise Europe Network das weltweit größte Netzwerk von Informations- und Beratungsstellen etabliert, auf das kleine und mittelständische Unternehmen in NRW Zugriff haben.

Die nordrhein-westfälische Wirtschaft im Gemeinsamen Binnenmarkt

Durch die europäische Marktöffnung hatte NRW einen Binnenmarkt von 201 Millionen Verbrauchern in der EWG-6, von 375 Millionen in der EU-15 und nunmehr 510,28 Millionen in der EU-28. Dies erhöht sowohl die Absatzchancen als auch den Wettbewerbsdruck, mit denen eine Stärkung der Wirtschaft auch auf globaler Ebene einhergeht. NRW ist aufgrund seiner geografischen Lage wie keine andere Region an die Märkte Europas angeschlossen, was auch den Fakt begünstigt, dass NRW eine der wirtschaftsstärksten Regionen Europas ist, wird in besonderem Maße von der Europäischen Integration begünstigt

Europäisierung der nordrhein-westfälischen Wirtschaft

Die nordrhein-westfälische Wirtschaft muss sich mit allen Konsequenzen dem Binnenmarkt stellen. Die Unternehmen müssen nach europäischer Rechtslage agieren und können in ganz Europa Produkte und Dienstleistungen anbieten. So ist für Nordrhein-Westfalens der Anteil des europäischen Auslands an den Investitionen am höchsten. Vor allem im Zuge des Brexit bieten sich hier viele neue Möglichkeiten für den Wirtschaftsstandort NRW in Europa.

Für die Regionen in Europa bedeutet die Freizügigkeit, besonders des Kapitals respektive der Unternehmen, auch einen erweiterten Standortwettbewerb. Um diesem in angemessener Form begegnen zu können, haben die Unternehmerverbände entsprechende Maßnahmen zur Information der relevanten Akteure ergriffen. So bieten die Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern beispielsweise Informationen und Beratungen für den Markteinstieg in EU-Länder.

Die Landesregierung besitzt die Möglichkeit mit Landesinitiativen besondere Akzente in bestimmten Wirtschaftsbereichen zu setzen. Diese müssen sich zwangsläufig mit den europäischen Rahmenbedingungen auseinandersetzen und bieten Dienstleistungen für die Akteure der jeweiligen Branche an, um diese für den Binnenmarkt bereit zu machen.

Durch dieses Netzwerk aus lokalen Wirtschaftsfördereinrichtungen, Institutionen und Verbänden mit der Ausrichtung auf Außenwirtschaft, Auslandsinvestitionen und branchenspezifischen Aspekten des Binnenmarkts steht ein umfangreiches Angebot an Informationen und Dienstleistungen in NRW bereit.