Einführung - Bildung, Jugend und Wissenschaft

Die Bereiche Bildung, Jugend und Wissenschaft hatten in der europäischen Politik lange Zeit eine eher geringe Bedeutung. Im Vertrag von Maastricht wurde erstmals 1992 auch eine europäische Bildungs-, Jugend- und Forschungspolitik erwähnt. Dabei bleiben diese Politikfelder jedoch bis heute ausdrücklich im Verantwortungsbereich der Nationalstaaten, es soll lediglich eine freiwillige Koordination ermöglicht werden. So ist im Vertrag von Lissabon (2009) geregelt, dass die EU die Aktivitäten der Mitgliedstaaten nur unterstützen, koordinieren oder ergänzen darf. Darüber hinaus sind bi- und multilaterale Bemühungen lokaler Akteure, aber auch Aktivitäten des Europarats, wichtige Faktoren einer europäischen Dimension in den Bereichen Bildung, Jugend und Wissenschaft.

Aktivitäten der Europäischen Union

Die Bildungspolitik ist inzwischen eine der wichtigsten Säulen der europäischen Wachstumsstrategie Europa 2020. Bis 2020 sollen fünf Kernziele in den Bereichen Bildung, Forschung, Beschäftigung, Armutsreduktion und Klimawandel umgesetzt werden. Konkret beinhaltet dies u.a. die Verringerung der Schulabbrecherquote auf unter 10 Prozent sowie Ausgaben von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Forschung und Entwicklung. Die Zusammenarbeit findet nach der „Offenen Koordinierungsmethode" (OMK) statt und ist somit auf die Freiwilligkeit der Mitglieder angewiesen.

Außerdem fördert die EU Auslandserfahrungen der Bürger in Europa mit dem Programm ERASMUS+ für die allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport. In Erasmus+ werden die bisherigen EU-Programme für lebenslanges Lernen, Jugend und Sport (früher auch Sokrates-Programm) sowie die europäischen Kooperationsprogramme im Hochschulbereich zusammengefasst. Erasmus+ ist mit einem Budget in Höhe von rund 14,8 Mrd. Euro ausgestattet. Mehr als vier Millionen Menschen sollen bis 2020 von den EU-Mitteln profitieren.

Auch die Jugendpolitik ist ein nationaler Politikbereich und eine Harmonisierung der Gesetzgebung in den Mitgliedstaaten damit ausgeschlossen. Neben Erasmus+ gibt es aber weitere jugendpolitische Initiativen der EU. Dazu gehört insbesondere die Jugendgarantie, mit der sichergestellt werden soll, dass jungen Menschen innerhalb von vier Monaten, nachdem sie arbeitslos werden oder die Schule verlassen, ein hochwertiger Arbeitsplatz, Weiterbildung oder Schulung angeboten wird. Zudem gibt es seit dem Dezember 2016 eine neue Initiative für ein  Europäisches Solidaritätskorps für junge Menschen, die an Freiwilligenprojekten oder Beschäftigungsprojekten in ihrem eigenen Land oder im Ausland teilnehmen möchten.

Der Europäische Forschungsraum ist seit Inkrafttreten des Lissabon-Vertrages 2009 ein vertraglich verankertes Ziel der Europäischen Union. Die EU bündelt ihre Anstrengungen im Bereich der Wissenschaft in Form von Forschungsrahmenprogrammen. Aktuell erfolgt die finanzielle Förderung durch das Programm Horizont 2020, das Fördermittel für europäische Forschungsprojekte vergibt.

Europäischer Geist in NRW

Die nordrhein-westfälischen Schulen unterhalten seit Jahrzehnten Partnerschaften mit ausländischen Schulen. Diese Zusammenarbeit ermöglicht Schülern wie Lehrern einen intensiven Kultur- und Erfahrungsaustausch. 841 Schulen in NRW unterhalten solche Schulpartnerschaften. Daneben bieten zertifizierte Europaschulen besondere Möglichkeiten, die Europakompetenzen der Schüler gezielt zu fördern. Die Landesregierung hat die Etablierung von Europaschulen zu einem wichtigen Ziel erklärt. Es gibt 204 Europaschulen in NRW, die ein einheitliches Zertifizierungsverfahren durchlaufen haben (Stand: November 2016).

Im außerschulischen und -universitären Bereich verfügt NRW ebenfalls über ein dichtes Netz von Bildungseinrichtungen, die lebenslanges Lernen ermöglichen. In Nordrhein-Westfalen werden auf Grundlage des Weiterbildungsgesetzes vielfältige Möglichkeiten an 460 Weiterbildungsstätten angeboten, davon sind 130 kommunale Volkshochschulen. Das Angebot dieser Einrichtungen  beinhaltet auch unterschiedliche europäische Themen, die heute in allen Lebensbereichen Einzug halten.

Die Jugendpolitik in NRW stützt sich auf ein dichtes Netz an Einrichtungen und Organisationen, die Angebote im Bereich der kulturellen, medialen, sozialen und internationalen Jugendarbeit leisten. Dazu gehören u.a. rund 2200 Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und 25 auf Landesebene tätige, demokratische Jugendverbände. In ihnen engagieren sich ehrenamtlich Jugendliche und junge Erwachsene. Im Bereich internationaler Jugendarbeit fördert das Land zahlreiche Austausch- und Begegnungsprogramme im welt- und europaweiten Kontext in Kooperation mit Vereinen und Stiftungen.

Die nordrhein-westfälische Hochschullandschaft ist die dichteste in Europa. An 70 staatlichen, privaten und konfessionellen Hochschulen studieren nach Schätzungen der Hochschulen 755.000 Studierende (Stand: Wintersemester 2016/2017). Lehrstühle mit Europaschwerpunkt gibt es insbesondere in den Politik-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Darüber hinaus finanziert die EU Jean-Monnet-Lehrstühle zur Förderung der Europaforschung. Zu den Aktivitäten der Hochschulen zählen eigens konzipierte Europastudiengänge, ebenso wie der Austausch von Studenten und die Vermittlung von Expertise über Beratungsstellen, Akademische Auslandsämter und Transferstellen. NRW bietet mit den 70 Hochschulen, 50 außeruniversitären Forschungseinrichtungen und 60 Technologie- und Gründerzentren hervorragende Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung. NRW forscht für und über Europa, ob europäisches Parteienrecht in Düsseldorf, europäische Sportstrukturen oder europäische Raumfahrt in Köln.